2.

Videospiele.

Man kennt sie unter sich. Die Geschichte eines jeden Gamers, wie er zu seiner Lieblings-Freizeitbeschäftigung gekommen ist. Ich selbst muss im zarten Alter von 6 oder 7 Jahren das erste Mal auf den Geschmack gekommen sein, als mir auf dem Amiga meines Bruders die lustigen, bunten Elemente in grober Pixel-Form entgegen flimmerten. Nicht nur sahen sie faszinierend aus, man konnte sie auch noch selbst kontrollieren. Als ich herausfand, dass daraus auch noch eine Art Spiel resultierte, war ich für immer gebannt. Stundenlang sah ich meinem Bruder dabei zu, wie er auf den PCs der 80er/90er Jahre bei "Miner", "Pac-Man", "Paperboy" und "Co." per Keyboard, Maus und Joystick gekonnt  beherrschte. Und als er mich eines Tages fragte, ob ich es auch einmal versuchen wollte, war ich sofort Feuer und Flamme!

Ich erinnere mich an den Geburtstag, an dem ich den brandneuen Gameboy ausgepackt in meiner Hand hielt, auf dem ich gefühlte Ewigkeiten mein Glück bei "Super Mario World" und "Tetris" versuchte. Gleich gefolgt von meinem geliebten Super Nintendo und der ersten Playstation. Als Teenager wurde ich von "Duke Nukem 3D" auf dem PC in Sachen Sex, Gewalt und Egomanie aufgeklärt und setzte anseite meines Vaters jeden einzelnen Cheat Code ein, den ich in meine Finger bekommen konnte. Schwer beeindruckt vom Egoshooter-Genre, machte ich mich auf in die Welt der schweren Geschütze und "M-m-m-m-multikills!", als ich voll und ganz dem Multiplayer Modus von "Unreal Tournament" verfiel.

Als ich nach meinem Realschulabschluß auf Jobsuche ging, folgte eine lange Durststrecke. Schließlich begann nun der Ernst des Lebens! Erst mit Mitte Zwanzig packte mich die Spiellust wieder, als ich als selbstständige Visagistin für ein paar Jahre in Mexiko residierte. Die "Wii" schaffte es, die ganze Familie meines damaligen Freundes zu bespaßen. Mit "Guitar Hero" und "Rockband" eroberte ich als Gitarristin mit meinem punk-goth-gestylten Avatar die Charts und traute mich sogar vor einem 8-köpfigen Publikum die größten Hits zu singen. Trotzdem war mir das alles nicht ernsthaft genug, ich wollte zurück zu meinen Gamerwurzeln und besorgte mir kurzum eine Xbox 360, die mir als vielversprechend angepriesen wurde. Mit "Far Cry: Predator" war ich zurück in der heißgeliebeten Action-Adventure-Szenerie. Ich schaltete nicht nur mit Freude und Leichtigkeit meine Verwandten und Bekannten per 4-er Splitscreen aus, sondern lieferte auch meine ersten Online Battles ab. Nach einem holprigen Neuanfang wurde ich von einem amerikanischen Mitspieler per Sprachchat eines Besseren belehrt. Er riet mir zu einem weniger albernen Gamertag ("Vampia") und einer weniger auffälligen Combat-Uniform. Das "würde meinem Spielstil etwas Gutes tun". Noch am selben Tag benannte ich mich in "Evilkiller" um und der gute Mann sollte Recht behalten.

 

Das Spiel mit Freunden und Verwandten war zwar immer noch ein reines Vergnügen, es stellte sich jedoch bald als "einseitiges Vergnügen" heraus, da man nur noch selten Lust hatte gegen mich anzutreten. "Du bist einfach zu kompetitiv geworden", warf man mir vor. Ich musste ihnen zustimmen. Ich liebte die Herausforderung! Als mir bewusst wurde, dass ich mir andere Spielkameraden suchen musste, kaufte ich mir mein erstes "Call of Duty". Mit "Call of Duty 3" begann der Wettbewerb zwischen mir und den bis dato unbekannten Gegenspielern. Aus ein paar lustigen Matches und Chats entwickelte sich bei mir eine regelrechte Leidenschaft. Als neugeborenes "Gamergirl" machte ich mir jedoch nicht nur Freunde. Manch einer wollte mich nicht ernst nehmen und unterstrich dies unter anderem mit Beleidigungen oder geschmacklosen Anmachsprüchen. Aber das machte mir nie wirklich etwas aus. Ich konnte außergewöhnlich gut damit umgehen.

Es dauerte nicht lange, da traf ich neben internationalen Gamern aus der ganzen Welt endlich auch auf die ersten deutschen Mitspieler, was mich während meines damaligen Auslandsaufenthalts besonders freute. Kurz nach dem Kennenlernen wurde ich eingeladen, Teil eines Clans zu werden. Ein Clan? Was würde das für mich bedeuten? Nach etwas Recherche hörte sich "Mitglied eines Clans zu werden" für mich viel zu ernst und bindend an. Ich zögerte lange, bis mir klar wurde, dass es sich bei den Jungs um einen Spaß-Clan handelte. Ein Teammitglied bei den "POD" ("Prophets of Death") zu sein empfand ich damals, wie auch heute, als eine intensive und erfüllende Zeit. Man traf sich mehrmals unter der Woche "online", um gemeinsam "in den Krieg zu ziehen", lachte unglaublich viel und auch wenn einmal ein Wettbewerb mit einem gegnerischen Team anstand, dann waren wir zwar ehrgeizig, aber nahmen das Ganze nie zu ernst. Der Spaß stand bei uns immer an erster Stelle.

Auch als wir in aller Freundschaft wieder getrennte Wege gingen, weil wir alle etwas "erwachsener" wurden und auch noch andere Dinge in unserem Leben Priorität hatten, blieben vereinzelt Freundschaften bestehen, die mir nach wie vor viel bedeuten. Neben der Arbeit und dem Privatleben blieb ich bis heute der Gaming-Community treu, zockte mich durch sämtliche "Halo" und "Call of Duty"- Teile, von denen viele mehr schlecht als recht waren und traf immer wieder auf neue Bekanntschaften, die sich auch "im real life" (wie man es aktuell in der Jugendsprache nennt) als ehrenwerte Wegbegleiter herausstellten. Die Bandbreite meines Gaming-Geschmacks reichte vom First-Person zum Third-Person Shooter ("Hitman"), über Open-World-Abenteuer wie "Red Dead Redemption" und die "Borderlands"-Reihe oder Rätsel- und Puzzlespiele wie "Portal", Geschicklichkeits-Games wie "Trials" und Spiele aus dem Horror-Genre wie z. B. : "Silent Hill", "Alice: Madness Returns" und "Left 4 Dead". Wobei der First-Person-Shooter zu jeder Zeit mein absoluter Favorit blieb.

"Von COD zu Battlefield". Den Schritt wagte ich, als ich die Qualitätsabnahme eines Teils aus der Call of Duty-Reihe nicht länger ertragen konnte. Mit dem Erscheinen der Xbox One überbrückte ich die Zeit unter anderem mit Games wie "Titanfall", "Dying Light" und "Fallout 4". Während mich die Grafik und der Sound eines Battlefield klar überzeugen konnten, war der Reiz der Räuber- und Gendarm Spielweise eines COD immer größer. Gegenwärtig hat sich daran nicht viel geändert. Monatlich fiebere ich langersehnten Titeln entgegen und beschäftige mich je nach Lust und Laune entweder mit dem Einzel- oder Mehrspieler-Modus eines Games, wobei der Mehrspieler-Modus regelmäßig siegt. Ich genieße es nach wie vor, mich mit Freunden beim Multiplayer zu messen oder mit ihnen ein "fast unschlagbares Team" zu bilden.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich mit der Aktualität meiner Spielkonsole etwas hinterherhinke. Der Kauf der Xbox One X steht noch an. Aber ich mache ich mir keine Sorgen, dass ich das verschieben könnte, weil "das Leben dazwischen kommt".  Wie ich es "unter Meinesgleichen" gerne online verlauten lasse: "Ich zocke bestimmt noch wenn ich 90 bin!"

Sich als Gamer zu bekennen hat übrigens immer noch einen bitteren Beigeschmack.  Sätze wie "Wer stundenlang Computerspiele spielt, der ist abnormal, krankhaft oder gefährlich!" oder "Wer Computerspiele spielt hat den Hang zur Realität verloren." sorgen immer noch für Vorurteile. Ich möchte nicht behaupten, dass es nicht auch Gamer gibt, die dieser Beschreibung entsprechen. Aber ich möchte mich dafür aussprechen, dass die Mehrzahl der Gamer, denen ich im Laufe der Zeit begegnet bin (ob online oder in der Realität) ganz normale, liebenswerte Menschen sind, deren Hobby auch nur ein Weiteres wie "Lesen", "Reiten" oder "Fitness" ist. Nun ja, vielleicht sind wir nicht ganz so fit. Körperlich gesehen. Aber geistig umso mehr. Denn e-Sport ist ein offiziell anerkannter Sport. Das sollte man nicht vergessen ;)

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